Cahmanorgel und Musiksammlung

Von Karin Monié.  Übersetzung: Helmut Müssener.

Nach der Brandschatzung durch die Russen im Jahr 1719 wurde Leufsta schnell wiederaufgebaut. Man scheute keine Kosten, wenn es um die Kirche und ihre Ausstattung ging. Die große Orgel, die Johan Niclas Cahman gebaut hatte, war 1728 fertig; mit ihren 28 Stimmen, die sich auf Hauptwerk, Rückpositiv und Pedalturm verteilen, war sie eine Zeitlang eine der größten Orgeln des Landes. Das Orgelprospekt, die Schauseite der Orgel, mit ihren vielen Skulpturen und ihrem übrigen Dekor ist sehr elegant und lässt an das Rokoko denken. Es handelt sich jedoch um eine norddeutsche Barockorgel, auf der man häufig und gern Musik von Dieterich Buxtehude und Johann Sebastian Bach spielt. Hier kann man hören, wie diese Barockmusik einst klingen sollte.

Die Cahmanorgel von 1728.

Die Cahmanorgel von 1728.

Die Orgel in Leufsta ist die einzige von Cahmans größeren Orgeln, die bis heute erhalten geblieben ist. Sie überstand unbeschadet die Zeit von Anfang des neunzehnten Jahrhunderts, als man eifrig damit beschäftigt war, Orgeln umzubauen, bis Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts, als es beinahe noch ein schlechtes Ende hätte nehmen können, denn man baute das Innenwerk des Rückpositivs aus und versteckte es auf dem Dachboden der Kirche. Es wurde allerdings nicht zerstört, sondern konnte Anfang der 1930er Jahre wieder eingebaut werden. 1933, 1964 und 2006 wurde die Orgel dreimal restauriert, wobei die beiden ersten Restaurationen nicht so richtig glückten.
Die Orgel ist als Musikinstrument sehr beliebt. Unter den Organisten, die lange dazu beigetragen haben, die Orgel bei einem großen Musikpublikum bekannt zu machen, ist vor allem Göran Blomberg zu nennen. Eine Reihe erstklassiger Aufnahmen der Orgelmusik kann käuflich erworben werden.
Föreningen Leufsta- och Cahmanorgelns vänner, die Vereinigung der Freunde von Leufsta und der Cahman-Orgel, veranstaltet jedes Jahr die sogenannten Cahman-Tage, an denen Orgelmusik im Mittelpunkt steht. Einige Jahrzehnte lang stand die Cahman-Orgel auch im Mittelpunkt einer internationalen Orgelakademie.

Antonio Vivaldi – Kopie von Noten aus Leufsta, jetzt in der Universitätsbibliothek Uppsala.

Antonio Vivaldi – Kopie von Noten aus Leufsta, jetzt in der Universitätsbibliothek Uppsala.

Als Charles De Geer 1738/39 nach Lövsta kam und damit seine Zeit als „Brukspatron“, als Eisenwerk- und Gutsbesitzer, ihren Anfang nahm, begann er auch, den Herrenhof mit anderer, profanerer Musik zu versehen, als sie die Kirche erbieten konnte. Er importierte Noten aus den Verlagshäusern in Amsterdam und baute eine Musiksammlung auf, die bekannte Namen wie Händel, Vivaldi, Telemann und Tartini ebenso umfasste wie weniger bekannte, aber auch schwedische Komponisten enthielt. Sie enthält ferner Kopien von Noten, die erkennen lassen, welche Musik in der Tat auf dem Herrenhof gespielt wurden. Opern und Menuette, die eine ja herausragende Stellung im eleganten Gesellschaftsleben der damaligen Zeit einnahmen, nahmen dabei eine Sonderstellung ein.
Im Herrenhaus finden sich noch drei weitere Instrumente aus dem achtzehnten Jahrhundert, und zwar eine niederländische Hausorgel, ein Cembalo aus Hamburg und ein Klavichord schwedischen Ursprungs, auf denen man allerdings nicht mehr spielen kann.
Die Volksmusik spielte im Hüttenort eine große Rolle. In ihrem Mittelpunkt standen die Spielleute, die die Schlüsselfidel beherrschten. Der erste unter ihnen, dessen Namen mit Lövsta verbunden wird, ist Olof Hellstedt (1745–1819), der auf dem Herrenhof auftrat, als Gustav III. Gast des Barons war und erstmalig „Gustaf III:s drickslåt”, ein Trinklied zu Ehren Gustav des Dritten, spielte, das mittlerweile gelegentlich auch auf der Cahman-Orgel zu hören ist. Besondern populär war der virtuose Spielmann Byss Calle (1783-1847) aus Älvkarleby, dessen wallonischer Nachname Boussard ganz gewaltsam schwedisiert worden war.

Schlüsselfidelspielmann. 18. Jahrhundert (aus: Lövstabruk – ej sin like i hela riket)

Schlüsselfidelspielmann. 18. Jahrhundert (aus: Lövstabruk – ej sin like i hela riket)

Weiterführende Literatur
• Göran Blomberg, ”Kyrkans och salongernas musik”.
In: Ann-Charlotte Ljungholm, red.,Lövstabruk – ej sin like i hela riket. Stiftelsen Leufsta 2011
• –, in: Kerala Snyder, red., The organ as a mirror of its time. II, s. 113 –16. 2002
• Einar Erici/R. Axel Unnerbäck, Orgelinventarium. 1988
• Lewenhaupt, Carl-Gustaf, Dokumentation av Cahmanorgeln i Leufstabruks kyrka.
Länsstyrelsens meddelandeserie, Uppsala 1989
• Sven Ahlbäck, ”Folkmusiken på Leufsta”.
In: Ann-Charlotte Ljungholm, red., Lövstabruk – ej sin like i hela riket. Stiftelsen Leufsta 2011