Das Eisen

Von Dr. Karin Monié.

Lövstabruk, oder in einer älteren Schreibweise Leufsta bruk, ist eine alte Eisenhütte am Risforsbach, deren Wurzeln ins Mittelalter reichen. In ihrer ältesten Zeit wurde sie von Bauern betrieben, bis sie 1596 von der „Krone“, d. h. Staat und König, übernommen wurde. Leufsta ist nur eine in der Reihe von Eisenhütten und Eisenhämmern in Norduppland mit einer langen Geschichte. Voraussetzung für die dortige Eisenherstellung war außer der Eisenerzgrube in Dannemora vor allem eine flache, aber wald- und wasserreiche Gegend, die die Eisenindustrie, die nun entstand, zu nutzen wusste.

Während des siebzehnten Jahrhunderts entwickelte sich in Leufstabruk wie auch in zahlreichen anderen Eisenhütten Nordupplands das ganze Jahr hindurch eine industrielle Produktion von Stabeisen, d.h. Schmiedeeisen vor allem in Form von Eisen- und Stahlstangen. Dies unterschied Norduppland von Bergslagen, den anderen Gebieten in Mittelschweden, in denen die Bergleute nur saisonweise arbeiteten.
1615 gab es in Leufstabruk vier Hochöfen, fünfeinhalb Eisenhämmer und eine Grobschmiede.

1626 wurde die Hütte von Willem de Besche gepachtet und im Jahre danach von seinem Geschäftspartner Louis De Geer. Sie waren beide kalvinistische Wallonen und stammten aus Liège/Lüttich. 1646 wurde Louis De Geer dann alleiniger Eigentümer. Leufsta war Teil eines größeren Besitzes, zu dem auch die Hütten in Gimo und Österby sowie Forsmark gehörten. In Forsmark wurden vor allem Kanonenkugeln hergestellt, während man in Leufstabruk in erster Linie Stabeisen mit großem Querschnitt produzierte. Das Eisen wurde auf dem Wasserwege transportiert, so während des achtzehnten Jahrhunderts zunächst vom Lagerplatz zum Eisenmagazin in Ängskär an der Hållnäskuste und danach mit Kähnen nach Öregrund, wo es auf Schiffe umgeladen wurde. Von dort ging es zur Eisenwaage in Stockholm und danach erneut per Schiff nach Hull in England für den Weitertransport nach Sheffield.

Durch neue Technik aus Mitteleuropa wurde die Eisenproduktion ständig effektiver, und die eingewanderten Wallonen verbesserten Schmiedetechnik und die Herstellung von Holzkohle, die zusammen mit Wasserkraft die wichtigste Energiequelle war. Fachausdrücke wie Wallonen-Schmiede und „Resmila“, d.h. ein Hoch-Meiler, bürgten für Qualität und Effektivität. In den Wäldern um Leufstabruk, die durch die Erfordernisse der Industrie sehr in Mitleidenschaft gezogen wurden, gab es viele Meiler, und das Wasser stammte aus dem Risforsbach, der das große Sumpfgebiet Florarna entwässerte, bzw. den nahen Seen.

Masugn och kolupplag. Detalj ur vy över bruket ca 1660. Okänd konstnär.

Hochofen und Kohlenlager. Detail eines Panoramabildes von Ort und Hütte um 1660. Der Künstler ist unbekannt.

Zwei große Gemälde im Herrenhof von Leufstabruk geben uns ein Bild davon, wie Eisenhütte und Umgebung im siebzehnten Jahrhundert aussahen. Das erste, ein Panorama um 1660, vermittelt einen Eindruck von der Größe der Fabrik und des Ortes sowie der einzelnen Gebäude; der Künstler ist unbekannt. Das zweite aus der Zeit um 1700 zeigt, wie es in Leufsta vor der Katastrophe des Jahres 1719 aussah, als die gesamte Anlage von den Russen niedergebrannt wurde, die damals die gesamte schwedische Ostseeküste verheerten.

Smedjorna vid övre bruksdammen. Detalj av bruksvy av okänd konstnär ca 1700.

Die Schmieden am Oberen Hüttenteich. Detail eines Panoramabildes der Hütte um 1700.

Hütte und Ort wurden schnell wiederaufgebaut und boten bereits in der ersten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts das Bild, das sie heute noch bieten, und Leufsta wurde die größte Eisenhütte des Landes. Mit Hilfe der Technik, die die Wallonen einführten, wurde ein hochwertiges Stabeisen hergestellt, und die Stäbe jeweils mit einem großen, sorgfältig ausgestanzten L sowie einem LEUFSTA SWEDEN gestempelt. Für lange Zeit das wichtigste Exportprodukt des Landes. Im neunzehnten Jahrhundert wurde dann die Lancashire-Schmiede nach englischem Vorbild eingeführt.

Smedja och smeder vid övre bruksdammen. 1860-tal.

Werkstatt und Schmiede am Oberen Hüttenteich um 1860.

Hütte und Herstellung blieben im Besitz der Familie de Geer, bis die Produktion 1926 eingestellt und die letzte Schmiede abgerissen wurde. Gebäude aus der Blütezeit der Eisenhütte sind heute nicht mehr vorhanden, sieht man von einer Schlosserei und einigen anderen Gebäuden ab, die zum Herrenhof gehörten.

Sekundärliteratur:
Deutschsprachige Literatur ist bis auf einen Wikipediaeintrag https://de.wikipedia.org/wiki/Lövstabruk
nicht vorhanden; hier sei nur auf die kurze Bibliographie im schwedischen Teil verwiesen.

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