Ein Milieu aus dem 18. Jahrhundert

Von Karin Monié.  Übersetzung: Helmut Müssener.

Man kann zurecht behaupten, dass Lövstabruk sehr strikt und streng geplant wurde. Durch den ganzen Ort verläuft fast kerzengerade die lange „Stora Gata“, die Große Straße, die zwei identische Eisengattertore an ihrem Anfang und Ende begrenzen. Wenn man von Süden kommt, so liegen der große Park, der Herrenhof und die Wirtschaftsgebäude, eingegrenzt durch hohe schmiedeeiserne Zäune, auf der rechten Seite. Links finden sich Wohngebäude, die Kirche, der alte Werkladen, das Werkskontor und das Haus des Inspektors, das später auch das Postamt beherbergte. Direkt an den beiden Eisengattertoren biegen dann zwei Seitenstraßen nach links ab, „Norra Gatan“ und „Södra Gatan“, die Nord- und die Südstraße. In der Mitte von „Stora Gatan“ führen zwei weitere Seitenstraßen nach links, von denen die eine den Namen „Västra Gatan“, die Weststraße, führt und die andere namenlos ist. Die Querstraßen verbinden „Stora Gatan“ mit der bedeutend einfacheren, parallel zu ihr verlaufenden „Fägatan“, der Viehstraße, dem schmalen Weg für Mensch und Vieh.

Stora Gatan vor einigen Jahrzehnten – Bild aus upplandia.se

Stora Gatan vor einigen Jahrzehnten – Bild aus upplandia.se

Das Milieu ist in seiner Gänze sehr vom 18. Jahrhundert geprägt. Nach der Brandschatzung durch die Russen im Großen Nordischen Krieg lag das alte Lövsta in Ruinen, aber wurde schnell von Grund auf wiederaufgebaut. Die alte Orangerie im Park des Herrenhofs hatte den Brand zumindest teilweise überlebt, und der Park östlich der Stora Gata lässt bis heute erkennen, welches Gewicht die Machthaber des Ortes der Gartenkultur beimaßen.
Der Wiederaufbau folgte im großen Ganzen dem alten Plan, auch wenn jetzt die Wohnhäuser mit der Langseite zur Straße hin lagen. Sie waren aus Holz gebaut und wurden gelb verputzt, eine Farbe, die dem ganzen Ort ihr Gepräge verleiht. Auch die Kirche wurde schnell wiederaufgebaut. Bereits nicht ganz zehn Jahren nach der Verwüstung konnte die prachtvolle Orgel, die Johan Niclas Cahman gebaut hatte, eingeweiht werden. Der strikte, schöne Kirchenraum wird heute häufig für Konzerte benutzt.
In der Kirche steht links vom Eingang eine gut bewahrte Bank mit einem hohen, blaugrau bemalten Gitter, eine Bank als Pranger, die noch vor weniger als 100 Jahren benutzt wurde.
Auf der rechten Seite vom großen Eingang aus gesehen, liegt ein abgegrenztes Bankgeviert, das auf den Predigtstuhl der linken Seite ausgerichtet ist. Man nennt es oft das „Geviert der Schmiede“ – die Schmiede waren eben, wie man annahm, taub –, aber diese Ausrichtung entspricht wohl eher der calvinistischen Überzeugung, dass dem Wort im Gottesdienst eine besondere Bedeutung zukam.
Der Herrenhof wurde auf den alten Grundmauern wiederaufgebaut und im karolinischen Stil der Zeit mit Ziegelmauern und einem zweistufigen Satteldach, das mit Schindeln gedeckt war, wiederaufgebaut. Die Fassade an der Zufahrt zum Eingang zeigt nach Osten. Interessanterweise wendet sie damit der großen Hauptstraße den Rücken zu und ist auf den kerzengeraden und schmalen Weg ausgerichtet, der zum Sälsee und den Hütten dort führt. Die Fassade zum Park hin ist mit dem Wappenschild der Familie de Geer geschmückt, das von zwei Löwen getragen wird. Der Name des Architekten ist nicht bekannt.
Nach 1760 wurde der Architekt Jean-Eric Rehn mit der Arbeit am Herrenhof betraut. Er entwarf für Bibliothek und Naturalienkabinett die beiden quadratischen Pavillons zum Wasser hin und ferner den eleganten
Speisesaal im Herrenhof und das Volière, das Vogelhaus.
Im Herrenhof hängen auch sehenswerte Gemälde, so die Sammlung mit Porträts der Familie de Geer im Speisesaal, eine Kopie des Gemälde eines riesengroßen Elchs von David Klöcker aus den Jahren um 1680 und eine Sammlung Bilder von Herrenhof, Eisenhütte und Ort.

Der Speisesaal im Herrenhof. – Bild von Ann-Charlotte Ljungholm.

Der Speisesaal im Herrenhof. – Bild von Ann-Charlotte Ljungholm.

Während der industriellen Hochkonjunktur des neunzehnten Jahrhunderts veränderte man das Milieu des Herrenhofs ebenso wie das des gesamten Ortes. Der Architekt Isac Gustaf Clason entwarf das große Lagerhaus in holländischer Renaissance, ein Wohnhaus für den Werkskämmerer, das jetzige Gasthaus, und richtete zwei Bibliothekszimmer im Herrenhof ein, wobei das eine den geographischen Sammlungen Carl de Geers Platz bietet.
Während dieser Zeit wurde auch der Garten des Herrenhofs vom Stil des neunzehnten Jahrhunderts geprägt, wofür Olof Strindberg verantwortlich war, ein Bruder des Schriftstellers und Dramatikers August Strindberg, der den Titel Gartendirektor führte.
Der Garten war nicht zuletzt aufgrund seiner Blumenpracht sehr populär und wurde bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs und des Todes von Baron Carl de Geer sehr gut in Schuss gehalten. Der neugotische Glockenturm im Park gegenüber der Kirche wurde um 1870 aufgeführt, und der Landschaftsarchitekt Walter Bauer restaurierte den Park in den sechziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts in neuklassischem Stil, wobei er sich an der Formensprache der sechziger Jahre des achtzehnten Jahrhunderts orientierte und dem Park das Aussehen gab, den es bis heute hat.
Im Park finden sich verschiedene Kunstwerke, die an die Bedeutung der Eisenproduktion erinnern, darunter Herta Hillfons „Huldigung der Wallonen“ von 1969.

Der Gärtner Olof Strindberg mit Angestellten. – Foto aus der Dissertation von Josephina Wesström Juhlin.

Der Gärtner Olof Strindberg mit Angestellten. – Foto aus der Dissertation von Josephina Wesström Juhlin.

Weiterführende Literatur
• Mikael Ahlund, ”Bildkonsten på herrgården”. In: Ann-Charlotte Ljungholm, red., Lövstabruk – ej sin like i hela riket. Stiftelsen Leufsta 2011
—, ”Svenska bruksbilder under 1700-talet”.
• In: Vallonerna. Stiftelsen Leufstabruks utställningskatalog nr 3. 1996
Karl Johan Eklund, ”Husen och miljön”.
In: Ann-Charlotte Ljungholm, red., Lövstabruk – ej sin like i hela riket. Stiftelsen Leufsta 2011
• Viveka Hoff, ”Gammalt och nytt i barockparken”.
In: Ann-Charlotte Ljungholm, red., Lövstabruk – ej sin like i hela riket. Stiftelsen Leufsta 2011
• Walter Bauer, Leufsta bruk: trädgårdens restaurering. Föreningen för dendrologi och parkvård, 1976