Eine Bibliothek aus dem 18. Jahrhundert

Von Karin Monié. Übersetzung: Helmut Müssener.

An den beiden Seiten der Westfassade des Herrenhofs zum Teich hin finden sich zwei rechteckige Pavillons, die Jean Eric Rehn entworfen hat. Sie zeugen von den wissenschaftlichen und kulturellen Leistungen des berühmten Charles de Geer. Im linken Pavillon, vom Park aus gesehen, hat die einzigartige Bibliothek aus dem achtzehnten Jahrhundert ihren Platz gefunden, in dem anderen, rechts vom Herrenhof, findet sich das Naturalienkabinett. Charles De Geer (1720-1768), der Werkseigentümer, war nicht nur Naturwissenschaftler und Entomologe, d. h. ein Insektenforscher von Rang, sondern auch Buchsammler. Er baute eine reichhaltige und schöne Bibliothek auf, wie es sich für einen Kavalier und Intellektuellen vor zweihundertfünfzig Jahren ziemte. Heute umfasst die Bibliothek etwa 8 000 Bände und die Sammlung selbst zudem eine große Anzahl Kupferstiche und Noten.

Die Bibliothek in Leufsta

Die Bibliothek in Leufsta

Charles De Geer verbrachte seine Kinder und Jugendjahre in den Niederlanden, und begann bereits in seiner Heimatsstadt Utrecht und später in Amsterdam, den Haag und in Leiden damit, Bücher zu sammeln, und baute so zu einer Zeit ein wertvolles Kontaktnetz auf, als Bücher und Zeitungen nicht so leicht zu beschaffen waren.
1738/39 zog er nach Lövstabruck und abonnierte von hier aus auch weiterhin seine modernen wissenschaftlichen Zeitungen.
Für die Bibliothek ging es in erster Linie um französische Literatur, die die Ideen der Aufklärung vertraten, darunter die erste Auflage der Encyclopédie ou dictionnaire raisonné von Diderot und d´Alembert. Andere Bücher repräsentierten Gebiete wie Religion, Erziehung, Geschichte, Biographie sowie Reiseschilderungen, Belletristik, Musik und Theater.
Charles De Geer stand ferner in Verbindung mit Professor Olof Rudbeck dem Jüngeren in Uppsala und erwarb für seine Bibliothek dessen handkolorierte Werke Fogelboken, „Das Buch der Vögel“, und Blomboken, „Das Buch der Blumen“. Zu den wirklichen Unikaten gehört der gedruckte erste Teil der Campus Elysii von Rudbeck, ein Werk, von dem nur zwei Exemplare erhalten geblieben sind, eins davon in der Bibliothek in Leufsta, während die gesamte restliche Auflage 1702 beim großen Brand in Uppsala vernichtet wurde.
Begreiflicherweise stehen hier ferner Werke von Carl von Linné, unter ihnen der Catalogus plantarum rariorum Scaniae von 1728, und es findet sich auch eine umfassende Korrespondenz mit ihm.
Sodann ist besonders Charles De Geers eigene Arbeit aus dem Bereich der Entomologie, Mémoires pour servir à l´histoire des insectes hervorzuheben, die 1752-1778 in sieben Teilen erschien. Nicht zuletzt birgt die Bibliothek auch eine große Sammlung Kupferstiche aus der Kunstwelt Englands und Frankreichs.

Das Innere der Bibliothek

Das Innere der Bibliothek

1778, nach dem Tod Charles De Geers, übernahm sein gleichnamiger Sohn,
Charles De Geer der Jüngere, die Bibliothek, baute sie mit etwa 1.000 Bänden in erster Linie politischer Literatur noch weiter aus, und kaufte vor allem auch Kupferstiche italienischer Herkunft.
Eine kleinere, jüngere Bibliothek, die Isac Gustav Clason entworfen hat, findet sich im Herrenhof.
Sämtliche Sammlungen sind seit 1986 nach einer dramatischen, aber geglückten kulturpolitischen Rettungsaktion mit Hilfe der Beijer- und der Craaford-Stiftung Eigentum der Universitätsbibliothek Uppsala. Die staatliche Liegenschaftsverwaltung ist füe den Bibliothekspavillon .
Für eine Bibliothek für die Ortsbevölkerung mit einer sehr anspruchsvollen Literaturauswahl, die einst in der alten Schule stand, existieren zwei Kataloge aus den Jahren 1901 und 1914.

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Weiterführende Literatur
• Tomas Anfält, ”Från nytta till nöje, ett svenskt herrgårdsbibliotek”. Solen och Nordstjärnan. Frankrike och Sverige på 1700-talet. Nationalmusei utställningskatalog nr 568
• Ulla Ehrensvärd, ”Leufsta bruks fideikommissbibliotek”.
Föreningen för bokhantverk, årsbok 1968
• Lilliebjörn, E.G., Katalog öfver Leufsta bruks gamla fideikommissbibliotek.
Nominalkatalog. Uppsala 1907
• Osvald Sirén, Katalog öfver Leufsta fideikommiss´ gravyrsamling. Stockholm 1907.
• Thomas Tottie, När Leufstabiblioteket räddades till Sverige.
Leufsta Vänner 2000
• Laila Österlund och Åsa Henningsson, ”1700-talsbiblioteket på Leufsta”.
In: Ann-Charlotte Ljungholm, red., Lövstabruk – ej sin like i hela riket. Stiftelsen Leufsta 2011
Förteckning öfver Leufsta Bruks Folk- och Skolbibliotek. 1901, suppl. 1904 och 1911, 1914.
• Karin Monié, ”Tankar kring ett bibliotek som en gång fanns”. Ikoner 1999