Cahmanorgel und Musiksammlung

Von Karin Monié.  Übersetzung: Helmut Müssener.

Die Orgel von Johan Niclas Cahman aus dem Jahr 1728 in der Kirche des Ortes. foto: Gabriel Hildebrand, 2015.

Die Orgel von Johan Niclas Cahman aus dem Jahr 1728 in der Kirche des Ortes. foto: Gabriel Hildebrand, 2015.

Nach der Brandschatzung durch die Russen im Jahr 1719 wurde Lövstabruk schnell wiederaufgebaut. Man scheute keine Kosten, wenn es um die Kirche und ihre Ausstattung ging. Die große Orgel, die Johan Niclas Cahman gebaut hatte, war 1728 fertig; mit ihren 28 Stimmen, die sich auf Hauptwerk, Rückpositiv und Pedalturm verteilen, war sie eine Zeitlang eine der größten Orgeln des Landes. Das Orgelprospekt, die Schauseite der Orgel, mit ihren vielen Skulpturen und ihrem übrigen Dekor ist sehr elegant und lässt an das Rokoko denken. Es handelt sich jedoch um eine norddeutsche Barockorgel, auf der man häufig und gern Musik von Dieterich Buxtehude und Johann Sebastian Bach spielt. Hier kann man hören, wie diese Barockmusik einst klingen sollte.

Die Orgel in Lövstabruk ist die einzige von Cahmans größeren Orgeln, die bis heute erhalten geblieben ist. Sie überstand unbeschadet die Zeit von Anfang des neunzehnten Jahrhunderts, als man eifrig damit beschäftigt war, Orgeln umzubauen, bis Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts, als es beinahe noch ein schlechtes Ende hätte nehmen können, denn man baute das Innenwerk des Rückpositivs aus und versteckte es auf dem Dachboden der Kirche. Es wurde allerdings nicht zerstört, sondern konnte Anfang der 1930er Jahre wieder eingebaut werden. 1933 und 1964 wurde die Orgel restauriert, was allerdings missglückte. 2004–2006 fand eine dritte statt, die sich zum Ziel gesetzt hatte, ihren Erstzustand soweit wie irgend möglich wiederherzustellen.

Die Kirche in Lövstabruk gehört zu den schönsten Kirchen des Spätbarocks im Lande. foto: Gabriel Hildebrand, 2015.

Die Kirche in Lövstabruk gehört zu den schönsten Kirchen des Spätbarocks im Lande. foto: Gabriel Hildebrand, 2015.

Die Orgel ist als Konzertinstrument sehr beliebt. Unter den Organisten, die lange dazu beigetragen haben, die Orgel bei einem großen Musikpublikum bekannt zu machen, ist vor allem Göran Blomberg zu nennen. Eine Reihe erstklassiger Aufnahmen der Orgelmusik kann nunmehr käuflich erworben werden.

Föreningen Leufsta- och Cahmanorgelns vänner, die Vereinigung der Freunde von Leufsta und der Cahman-Orgel, veranstaltet jedes Jahr die sogenannten Cahman-Tage, an denen Orgelmusik im Mittelpunkt steht. Einige Jahrzehnte lang stand die Cahman-Orgel auch im Mittelpunkt einer internationalen Orgelakademie.

Charles De Geer kam 1739 nach Lövstabruk und begann 1741 seine Jahre als „Brukspatron“, als Eisenwerk- und Gutsbesitzer. Er musizierte selbst und führte, als er nach Schweden kam, Noten aus den Verlagshäusern Amsterdams mit sich. Er konnte jetzt auch den Herrenhof mit anderer, mehr profaner Musik versehen, als sie die Kirche normal erbieten konnte. Er importierte Noten aus den Verlagshäusern in Amsterdam und baute eine Musiksammlung auf, die bekannte Namen wie Händel, Vivaldi, Telemann und Tartini ebenso umfasste wie weniger bekannte, aber auch schwedische Komponisten enthielt. Sie enthält ferner Kopien von Noten, die erkennen lassen, welche Musik auf dem Herrenhof gespielt werden sollte. Es finden sich Noten für Cembalomusik wie für Opern und Menuette, Symphonien und Konzerte die eine ja herausragende Stellung im eleganten Gesellschaftsleben einnahmen.

Herrenhaus finden sich noch drei weitere Instrumente aus dem achtzehnten Jahrhundert, und zwar eine niederländische Hausorgel, ein Cembalo aus Hamburg und ein Klavichord schwedischen Ursprungs, auf denen man allerdings nicht mehr spielen kann.

Die Volksmusik spielte im Hüttenort eine große Rolle. In ihrem Mittelpunkt standen die Spielleute, die die Schlüsselfidel beherrschten. Der erste unter ihnen, dessen Namen mit Lövstabruk verbunden wird, ist Olof Hellstedt (1745–1819), der auf dem Herrenhof auftrat, als Gustav III. Gast des Barons war und der erstmalig „Gustaf III:s drickslåt”, ein Trinklied zu Ehren Gustav des Dritten, spielte, das mittlerweile gelegentlich auch auf der Cahman-Orgel zu hören ist. Besondern populär war der virtuose Spielmann Byss Calle (1783-1847) aus Älvkarleby, dessen wallonischer Nachname Boussard ganz gewaltsam schwedisiert worden war.