Eine Bibliothek aus dem 18. Jahrhundert

Von Karin Monié. Übersetzung: Helmut Müssener.

Die berühmte Bibliothek Lövstabruks aus dem achtzehnten Jahrhundert befindet sich zum größten Teil in einem Pavillon neben dem Herrenhof. Er wurde von Jean Eric Rehn entworfen. foto: Erik Hamberg, 2017.

Die berühmte Bibliothek Lövstabruks aus dem achtzehnten Jahrhundert befindet sich zum größten Teil in einem Pavillon neben dem Herrenhof. Er wurde von Jean Eric Rehn entworfen. foto: Erik Hamberg, 2017.

An den beiden Seiten der Westfassade des Herrenhofs zum Teich hin finden sich zwei fast rechteckige Pavillons, die der Architekt Jean Eric Rehn entworfen hat. Sie zeugen von den wissenschaftlichen und kulturellen Leistungen des berühmten Charles De Geer. Das eine Gebäude birgt die einzigartige Bibliothek aus dem achtzehnten Jahrhundert, das andere wurde als Naturalienkabinett eingerichtet. Charles De Geer (1720–1778), der Werkseigentümer, war nicht nur Naturwissenschaftler und Entomologe, d. h. ein Insektenforscher von Rang, sondern auch Buchsammler. Er baute eine reichhaltige und schöne Bibliothek auf, wie es sich für einen europäischen Kavalier und Intellektuellen vor zweihundertfünfzig Jahren ziemte. Heute umfasst die Bibliothek etwa 8 500 Bände; zu der Sammlung selbst gehören zudem eine große Anzahl Kupferstiche und Noten.

Das gut erhaltene Innere der Bibliothek. foto: Lars-Owe Wennman.

Das gut erhaltene Innere der Bibliothek. foto: Lars-Owe Wennman.

Charles De Geer verbrachte seine Kinder- und Jugendjahre in den Niederlanden. Er begann bereits früh in seiner Heimatsstadt Utrecht und später in Amsterdam, den Haag und in Leiden damit, Bücher zu sammeln, und baute so ein wertvolles Kontaktnetz für seine Einkäufe auf. 1738 zog er nach Schweden und Uppsala. 1741 übernahm er Lövstabruk und abonnierte von hier aus auch weiterhin seine modernen wissenschaftlichen Zeitungen.

Für die Bibliothek ging es in erster Linie um französische Literatur, die die Ideen der Aufklärung vertrat, darunter die erste Auflage der Encyclopédie ou dictionnaire raisonné von Diderot und d´Alembert, die 1751–1772 erschien. Andere Bücher repräsentierten Gebiete wie Religion, Erziehung, Geschichte, Biographie sowie Reiseschilderungen, Belletristik, Musik und Theater.

Eine Reihe schöner Einbände von in erster Linie französischsprachiger  Literatur. foto: Erik Hamberg, 2017.

Eine Reihe schöner Einbände von in erster Linie französischsprachiger Literatur. foto: Erik Hamberg, 2017.

Charles De Geer stand ferner in Verbindung mit Professor Olof Rudbeck dem Jüngeren in Uppsala und erwarb für seine Bibliothek dessen handkolorierte Werke Fogelboken, „Das Buch der Vögel“, und Blomboken, „Das Buch der Blumen“. Zu den wirklichen Unikaten gehört der gedruckte erste Teil der Campus Elysii von Rudbeck, ein Werk, von dem nur zwei Exemplare erhalten geblieben sind, eins davon in der Bibliothek in Lövstabruk, während die gesamte restliche Auflage 1702 beim großen Brand in Uppsala in Flammen aufging. Hier stehen ferner Werke von Carl von Linné, unter ihnen der Catalogus plantarum rariorum Scaniae von 1728. Nicht zuletzt birgt die Bibliothek auch eine große Sammlung Kupferstiche aus der Kunstwelt Englands und Frankreichs.

Bücher aus der Bibliothek. foto: Erik Hamberg, 2018.

Bücher aus der Bibliothek. foto: Erik Hamberg, 2018.

1778, nach dem Tod Charles De Geers, übernahm sein gleichnamiger Sohn, Charles De Geer der Jüngere, die Bibliothek, baute sie mit etwa 1 000 Bänden in erster Linie politischer Literatur noch weiter aus, und kaufte vor allem auch Kupferstiche italienischer Herkunft. Eine kleinere, jüngere Bibliothek, die Isak Gustaf Clason entworfen hat, findet sich im Herrenhof.

Sämtliche Sammlungen sind seit 1986 nach einer dramatischen, aber geglückten kulturpolitischen Rettungsaktion mit Hilfe der Beijer- und der Craaford-Stiftung Eigentum der Universitätsbibliothek Uppsala. Die staatliche Liegenschaftsverwaltung ist für den Bibliothekspavillon und den gesamten Herrenhof verantwortlich, während die Bestände der Musik- und Handschriftensammlung sowie Teile der Bibliothek heute in der Universitätsbibliothek Uppsala aufbewahrt werden.